Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
RFID – WTF?

oder: Wie zerstöre ich meine elektronische Identität?

Immer wieder verändert der technische Fortschritt das Leben der Menschen grundlegend. Viele Neuerungen erleichtern den Alltag, verringern den erforderlichen Arbeitsaufwand. Doch gab es trotz aller Vorteile, welche die Entwicklung mit sich brachte, immer auch ernstzunehmende kritische Stimmen, sowie ethische und politische Bedenken.

RFID – How does it work?
RFID benötigt drei Komponenten. Ein Lese- und Schreibgerät, den RFID Reader oder Writer. Dieser wird dazu verwendet Daten aus den Tags oder Transpondern zu lesen oder Sie zu beschreiben. Die Waren oder Objekte werden hierzu mit Transpondern (auch Tags genannt) gekennzeichnet. Der Transponder dient als Datenträger, dessen zentrale Komponente ein Mikrochip ist. Über eine so genannte Luftschnittstelle können mithilfe der Antenne Informationen an die Umwelt abgegeben werden. Die Datenübertragung erfolgt per Funk.

What’s the problem with RFID?

Ein Transponder, so groß wie eine Fingerspitze

Durch die eindeutige Seriennummer ist ein Transponder nahezu weltweit eindeutig einem Objekt –  egal ob Lebewesen oder Kleidungsstück  – zugeordnet. Trotz der unterschiedlichen Anwendungsfälle werden die Transponder jedoch von den unterschiedlichsten Auslesegeräten registriert. Die Seriennummer eines Büchereiausweises würde somit nicht nur von der betreffenden Bücherei gelesen werden können, sondern auch von sämtlichen anderen Lesegeräten. Bei Vernetzung bzw. Einspeisung vieler Informationen in Datenbanken lassen sich dadurch leicht Bewegungsprofile erstellen. Doch nicht nur Lesegeräte, die als solche erkannt werden, schwirren in den Einkaufsparadiesen herum. RFID-Reader wurden schon im Fußboden, unauffällig an Türrahmen oder in Regalen entdeckt. Das Gegenstück dazu, die Transponder, sind bei einem Stückpreis von 10 Cent so kostengünstig, dass es kein Problem mehr darstellt, einfach an allem einen Transponder anzuheften. Unbemerkt werden diese „Schnüffel-Chips“ auch in Kleidungsstücke eingenäht oder wie im Fall der „BahnCard  100“ in Chipkarten einlaminiert. Zur  Fußball-WM 2006 konnten Transponder in den Eintrittskarten wiedergefunden werden – zur Verhinderung von Schwarzmarkthandel. In dem im November  2007 eingeführten „elektronischen Reisepass“ (ePass) wurde eine RFID Komponente eingefügt. Zudem hat der am 1. November 2010 ausgegebene „neue  Personalausweis“  (nPA), zur besseren Identitätsfeststellung im Real-Life, wie im Internet, ebenfalls einen Transponder erhalten. Es ist erkennbar, in welchem Ausmaß RFID-Transponder in unserem täglichen Leben enthalten sind. Dass dadurch Begehrlichkeiten an sensibelsten Daten entstehen, sollte einleuchten. Trotz aller vorhergehenden Beteuerungen RFID sei sicher, konnte die Kryptierung der Kommunikation bei der weltweit meistgenutzten Chipkarte „Mifare Classic“ (3,5 Milliarden hergestellte Transponder) 2008 entschlüsselt werden. Wenn angenommen wird, ein elektronisches Gerät sei 100%ig zuverlässig, kann es auch für juristische Zwecke als
Beweisgrundlage verwendet werden. Dies hat zur Folge, dass die Unschuldsvermutung, im Zusammenhang mit diesem Gerät, umgedreht wird und nicht mehr die Schuld bewiesen werden muss, sondern die Unschuld des Angeklagten, was ein entscheidender Unterschied ist.

What to do?
Doch um nun die RFID-Paranoia ein bisschen zu mildern, einige alltagstaugliche Abwehrtipps: Die einfachste Möglichkeit, sich gegen unbewusstes Auslesen zu schützen, ist die Antenne abzuschirmen. Am einfachsten wird dazu Alu-Folie um die Chipkarte  gewickelt. Um den „Schnüffelchip“ dauerhaft gegen das Auslesen zu schützen, kann möglichst viel Rumbiegen helfen. Zunächst sollte die Antenne abgetastet werden, um entdecken zu können, wo sich der Chip befindet. An einer Stelle macht sich dieser durch eine kleine Erhöhung bemerkbar. Entweder diese Stelle gezielt verbiegen, oder aber die integrierte Schaltung mit einem kleinen Hammerschlag zerstören. Da, beispielsweise in einer Chipkarte, der RFID-Chip nicht immer zu erkennen ist, gibt es noch den Mikrowellen-Tod. Hierzu wird die Karte in der Mikrowelle „vergessen“ und diese für BRUCHTEILE EINER SEKUNDE eingeschaltet. Bei dieser Methode kann das Ausweisdokument allerdings einen sichtbaren Schaden nehmen. Daher sollte der Mikrowellenherd wirklich nur für einen kurzen Augenblick eingeschaltet werden. Bei Zerstörung der elektronischen Komponente des ePass und des nPA bleibt die Gültigkeit weiterhin gewährleistet. Es gibt zahlreiche weitere Möglichkeiten, RFID-Geräte zu manipulieren, deren Diskussion hier aber zu weit führen würde.

Dieser Artikel ist in der ersten Ausgabe (Februar/März 2011) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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