Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
22,7% oder weniger…

…ist der Atomstrom-Anteil der Stromerzeugung in Deutschland¹

BefürworterInnen der Atomkraft sagen, dass diese Art der Energiegewinnung kostengünstig sei und das umweltbelastende Austreten von Treibhausgasen verhindert werde, AtomlobbystInnen propagieren gar eine Abgasfreiheit. Atomkraftwerks(AKW)-BetreiberInnen behaupten, dass sie mit dem Bau neuer AKWs nur den wachsenden Bedarf decken.
Dass kein CO2 Austritt, stimmt so nicht ganz. Ungerechnet bleiben nur die CO2-Emissionen, die sich durch den Bau von Atomkraftwerken, den Betrieb von Uranerzminen und Urananreicherungsanlagen und nicht zuletzt den Transport von Atommüll ergeben.
Kostengünstig ist es auch nur für Kraftwerksbetreiber. Forschung und Entwicklung der Atomtechnik wurden maßgeblich durch den Staat gestützt. Laut der Elektrizitätswerke Schönau Vertriebs GmbH fließen noch immer „jedes Jahr rund 200 Millionen Euro Steuergelder in neue Atomprojekte und Atomforschung. Dazu kommen Steuervergünstigungen, Beihilfen, Staatskredite und Exportbürgschaften in Milliardenhöhen für die Atomindustrie.“

Schon bei kleineren Störfällen kann Radioaktivität an die Umwelt (rund um AKWs, aber auch im Umkreis von Wiederaufbereitungsanlagen und Uranabbaugebieten) abgegeben werden, was gesundheitsschädlich für Mensch und Tier ist.
Technik und Elektronik veralten – Rohre werden spröde, Steuerungen fallen aus, Ventile und Pumpen versagen, Risse wachsen. Menschen machen Fehler.
Andere Bedrohungsszenarien wären: Ein direkter Angriff auf einen Castor- bzw. Urantransport oder eine Atomanlage (z.B. in einer Wiederaufbereitungsanlage: abgespaltetes Plutonium kann zum Bau einer Atombombe verwendet werden), auch ein Flugzugabsturz kann den atomaren Ernstfall herbeiführen, wenn z.B. die Reaktorgebäudewand eingerissen und ein Brand ausgelöst wird.

Mit dem chemischen Element Uran wird der Brennstoff (Brennstäbe) für AKWs hergestellt. Uranvorkommen liegen z.B. in Australien, Russland, Südafrika (oft in Gebieten indigener Bevölkerungsgruppen). Für den Uranabbau werden große Mengen an Wasser benötigt, was den Menschen vor Ort ihr Trinkwasser raubt. Zurückgelassen wird Schlamm, radioaktiv und giftig, der ins Grundwasser sickert. Dadurch steigt die Krebsrate bei ArbeiterInnen und AnwohnerInnen. Das Abbaugebiet wird als tote Erde zurückgelassen.

Aus einer Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz, welche sich mit kerntechnischer Sicherheit, der Beförderung und Entsorgung radioaktiver Stoffe beschäftigt, geht hervor, dass Kinder unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandpunkt deutlich öfter an Krebs erkranken. Im Umkreis von 5 km eines AKW liegt das Krebsrisiko um 60-75% höher als in anderen Gebieten, dies bestätigt auch das Deutsche Kinderkrebsregister. Das sind wohl die Begleiterscheinungen? Denn das ist kein Resultat eines Unfalls mit erhöhtem Austritt, das sind die Konsequenzen des Normalbetriebs eines AKW, bei dem stetig kleinste Mengen von Radioaktivität an die Umwelt abgegeben werden.
Für Erwachsene gibt es noch keine vergleichbare Studie.

„Für die geordnete Beseitigung ist nachzuweisen, dass der sichere Verbleib für bestrahlte Kernbrennstoffe […] in Zwischenlagern bis zu deren Ablieferung an eine Anlage zur Endlagerung radioaktiver Abfälle gewährleistet ist.“ (Atomgesetz)
Die Frage der Entsorgung ist aber ungeklärt, es gibt keine gesicherten Endlager. Die verbrauchten Brennstäbe werden entweder in Zwischenlager wie Gorleben oder in Wiederaufbereitungsanlagen wie La Hague gebracht, wo recyceltes Uran in neue Brennstäbe verarbeitet wird (doch zum einen lassen sich abgebrannte Brennelemente nicht vollständig erneuern, zum anderen vergrößert der Einsatz zahlreicher Chemikalien vor Ort den Atommüllberg).
Ein Endlager, das unbewohnt, über hunderttausende von Jahren (abhängig vom Abfallprodukt) geologisch stabil wäre, nicht ins Meer entwässert und fernab von potenziellen Rohstoffquellen liegt, wurde weltweit nicht gefunden.

Praktische Anwendung fand die Atomtechnik zuerst in der Atombombe. Später gelang auch die zivile Verwendung der Kernspaltung – die ersten AKWs wurden in den 1950er Jahren gebaut, in der Zeit des Wirtschaftswunders,eine Zeit des blinden Fortschritts- und Technikglaubens. Bis heute werden die physikalischen Prozesse der Kernreaktion imitiert, die auch auf der Sonne stattfinden. Statt aber diesen natürlichen Ablauf durch Solarstromgewinnung einfach zu nutzen, beschäftigt sich die Atomindustrie mit dem Bau vergleichsweise diletantischer Anlagen.

Mehr Infos: 100-gute-Gruende.de

¹Anteil bezogen aufBruttostromerzeugung. Quelle: http://www.kernenergie.de/kernenergie/Themen/Kernkraftwerke/Kernkraftwerke_in_Deutschland/

Dieser Artikel ist in der zweiten Ausgabe (April/Mai 2011) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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