Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
Zum 1. Mai

„Die Welt erobert man nicht mit Worten, sondern mit Taten.“ Juan Peirò

Auch nach 121 jähriger Geschichte des ersten Mai als Kampftag der produzierenden Klasse gelten diese Worte Peirós in ungeschwächter Weise. Ja, vielleicht heute noch mehr denn damals, stehen wir doch heute in Deutschland nicht nur vor der nicht-Existenz einer Bewegung, sondern vor der gewaltigen Aufgabe, jene aufzubauen.

121 Jahre sind seit der ersten Verkündung der Maifeiern vergangen, 121 Jahre Wandel und Veränderung. Ausgerufen im Andenken an die fünf ermordeten Anarchisten von Chicago zum Kampftag für die produzierende Klasse, zur Durchsetzung des 8 Stundentags, so müssen gerade wir jungen AnarchistInnen diesen ersten des Mai auch als das wahrnehmen, was er ist, ein Auftrag an die junge Generation, an die schaffenden Libertären von heute. Sein sie anarchistisch oder syndikalistisch.

Der Auftrag lautet, erstreiten, was einst begonnen! Lernen aus der Geschichte, sehend werden der Nöte. Und schaffen, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Gerade wir jungen Leute sollten die Welt, die einst uns gehörte, wiederentdecken und begreifen. Wir als zukünftige ProduzentInnen und KonsumentInnen, Praktizierende einer anderen Welt im Herzen, müssen die selbst geschaffene Perspektive sehen. Es gab eine Zeit, gerade auch in Deutschland, in der Anarchismus, Gewerkschaft, Konsumverein, Baugenossenschaft, Krankenkasse, Kulturvereinigung und Verlag hieß.

Heute sind die meisten Versuche verkümmert, Erfahrungen verschüttet. Uns der jungen Generation ist es Aufgabe, in Erfüllung des 1. Mai, diese Themen wieder zu entdecken. Nicht nur leere Worte zu schaffen, sondern auch zur Tat zu schreiten.
Fangen wir an, die Nöte und Bedürfnisse unserer Mitmenschen zu organisieren, nach unseren Prinzipien! Lassen wir uns auf die Menschen ein, und finden wir nicht nur das Wort um sie zu erreichen, sondern auch die Tat. Lasst uns schaffende Menschen werden. Lasst uns den diesjährigen 1. Mai als Ausgangspunkt dafür nehmen, lasst uns protestieren gegen unsere eigenen Misstände, der Niedrigbezahlung in der Ausbildung, dem Arbeitszwang für unter 25-jährige, Klassenkalkül in den Studien- und Wissensstätten, gegen überfüllte Klassenzimmer und überforderte oder inkompetente WissensvermittlerInnen, der zunehmenden Leiharbeit bei unter 25-jährigen, Zwangskulturalisierung unserer migrantischen Mitmenschen, Streichungen im (Jugend-) Kulturbereich.

Und lasst uns nicht beim Protest aufhören, sondern anfangen, gemeinsam unsere Bedürfnisse zu organisieren, über den 1. Mai hinaus, in der Schule, im Stadtteil, mit FreundInnen und Fremden. Kommt zusammen, organisiert euch. Mit uns. Zusammen!
Denn noch immer gilt: „Aus dem Elend zu erlösen, können nur wir selber tun!“

Dieser Artikel ist in der zweiten Ausgabe (April/Mai 2011) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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