Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
125 Jahre Coca Cola

Was die Coca-Cola Company hinter ihrem feuchtfröhlichen Image verbirgt

Der neue Werbespot von Coca-Cola vermittelt Lebensfreude und Optimismus angesichts der Schrecken in der Welt. Denn laut Studien, so der Spot, kommen auf einen produzierten Panzer 131.000 Kuscheltiere , auf eine neu entwickelte Waffe 1 Millionen gebackene Schokokuchen und „Liebe“ erzielt bei Google mehr Treffer als „Hass“. Am Ende des Spots steht Coca Cola als Symbol für all diese positiven, schönen Dinge und für eine bessere Welt.

Was der Werbespot selbstverständlich verschweigt, ist, dass Coca Cola täglich tausende von Menschen ausbeutet und unterdrückt und dass diese ach so lebensfrohe Firma bereits Menschenleben auf dem Gewissen hat.

Warum das alle etwas angeht, liegt auf der Hand, denn Coca-Cola ist der größte Getränkekonzern der Welt: Täglich werden in über 200 Staaten ca. 1,7 Milliarden Coca-Cola-Erfrischungsgetränke aus einer Auswahl von über 500 Marken (darunter z.B. auch Almdudler oder Powerrade) konsumiert. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 139.600 MitarbeiterInnen und macht jährlich einen Umsatz von ca. 32 Milliarden (!) US-Dollar (2008).
Auch wenn die Coca Cola Company immer mal wieder in die Kritik gerät – meist geht es dabei nicht um ihre menschenverachtenden Arbeitsbedingungen (zumindest in den gängigen, großen Medien)- sondern viel mehr um die ungesunde Zusammensetzung der Cola (12 Würfel Zucker pro Glas). Dies erscheint fast lachhaft, wenn man betrachtet welch große Schäden die Firma Umwelt und Menschen zufügt:
Mehrere Abfüllanlagen in Indien brauchen täglich bis zu eine Million Liter Wasser (zur Produktion einer Flasche Coca-Cola werden neun Liter Wasser benötigt), wobei ein besonders prägnantes Beispiel die Abfüllanlage in Plachimada ist. Der Grundwasserspiegel vor Ort war auch bevor es die Abfüllanlage gab sehr niedrig, weswegen der Bau eigentlich hätte verboten werden sollen, doch durch Coca-Cola wurde das Grundwasser so massiv verschmutzt, dass es weder als Trinkwasser noch zur Bewässerung der Felder geeignet war. Das führte dazu, dass die oft sehr armen Bauern der Umgebung große Verluste machten und die Selbstmordraten anstiegen. Glücklicherweise gab es hier jedoch so starke, von der Bevölkerung ausgehende Proteste, dass die Anlage 2004 geschlossen werden musste.
Was bleibt sind weitere Abfüllanlagen, wo die Probleme ähnlich sind, und Proteste, die leider nur teilweise Erfolge zeigen.

Auch in Mittelamerika verursachte und verursacht Coca-Cola heute noch große Umweltschäden. 2003 z.B. wurden Abwässer in den Golf von Panama befördert und alles, was das Milliardenunternehmen tun musste, war für die Schäden aufzukommen und 300 000 US-Dollar Strafe zu zahlen.
Doch Menschen tragen auch ganz direkt durch Coca-Cola bzw. seine Tochterunternehmen Schäden davon:
So schuften sich täglich Menschen, darunter viele Kinder, im Auftrag Coca-Colas auf Rohrzuckerplantagen zu Tode und die riesigen roten Luftballons zur Fußballweltmeisterschaft der Männer 1998, gesponsort durch Coca-Cola, waren von pakistanischen Kindern genäht.

Am deutlichsten wird die Grausamkeit dieses Riesenkonzerns jedoch in Columbien und Guatemala, wo seit 1989 neun Gewerkschaftsmitglieder ermordet wurden. Gerade in Columbien sind die Arbeitsbedingungen im Allgemeinen sehr schlecht und die Beteiligung in Gewerkschaften sehr gering. Eine der Gewerkschaften ist die Lebensmittelgewerkschaft Sinaltrainal, in der vor allem ArbeiterInnen von Coca-Cola und Nestlé organisiert sind.
Den GewerkschaftlerInnen, die sich vor Ort für bessere Löhne (teilweise betragen die Monatslöhne nur rund 150$) und Arbeitsbedingungen einsetzen, wird mit Gewalt, Vergewaltigungen und Bedrohung der Familien begegnet, ausgehend von den Paramilitärs, die in enger Verbindung zu Coca-Cola und Nestlé stehen.
Die Coca-Cola-Company streitet diese Vorwürfe weiterhin ab. So wurden beispielsweise bei der diesjährigen Hauptversammlung der AktionärInnen die teilweise sehr kritischen Fragen aus dem Publikum nach kürzester Zeit abgeschnitten und unzureichend beantwortet.
Trotzdem zeigen die Proteste, zu denen sowohl Sinaltrainal als auch Initiativen in Indien aufgerufen haben, einigen Erfolg. Gerade 2006, zur Zeit der Olympiade in Turin, deren Hauptsponsor Coca-Cola war, bekamen die Boykotts und Demonstrationen eine recht große Öffentlichkeit.
Und doch, die Coca-Cola Company ist keineswegs ein Einzelfall. Auch andere Unternehmen (in Kolumbien z.B. Nestlé) fahren eine ähnlich arbeiterInnenfeindliche Schiene, wenn es um die Sicherung ihres Profits geht. So werden allein in Kolumbien seit 1991 rund 5000 (die Zahlen schwanken zwischen 4000 und 9000) ermordete GewerkschafterInnen gezählt. Hinzu kommen Einschüchterungen, Entführungen und Folter durch die Paramilitärs.
Mit aller Macht wird von den Unternehmen nach mehr Profit gestrebt, und feste Arbeitsverträge oder höhere Löhne stehen diesem entgegen.
Und um diesen Profit zu garantieren, gehen Unternehmen wie Coca-Cola auch über Leichen.

Weitere Infos und Aktuelles zu Coca-Cola auf: killercoke.org

Dieser Artikel ist in der dritten Ausgabe (Juni/Juli 2011) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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