Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
Theorien der neuen Schule (Teil 1)

Wofür soll eine selbstverwaltete SchülerInnenschaft eintreten?

Dass die Schule so wie sie ist nicht klar geht, muss wahrscheinlich nicht weiter diskutiert werden. Schließlich erfahren das alle SchülerInnen Tag für Tag. Auch die Möglichkeiten wie alltägliche Probleme angegangen und Bedürfnisse von SchülerInnen kämpferisch umgesetzt werden können haben wir bereits im Artikel „So soll meine wilde Jugend sein“ im Schwarzen Kleeblatt Nr.4 behandelt. Doch wohin sollen die Kämpfe um Selbstverwaltung führen, wenn sie geführt werden? Ist es notwendig eine Perspektive zu haben, die über die Umsetzung von größeren und kleineren Verbesserungen hinaus geht? Und wenn ja, wie soll sie aussehen, die Schule, die nach den Interessen der SchülerInnen aufgebaut ist? Der folgende Artikel soll eine Einleitung sein für weitere Texte, die im Gesamten ein Bild davon geben wollen, wohin die Reise einer selbstverwalteten SchülerInnenbewegung gehen könnte.

Kann das nicht warten?
Die erste Frage die sich an dieser Stelle stellt ist wohl, wozu es überhaupt gut sein soll sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wie Schule anders gestaltet werden könnte. Schließlich fehlt es zur Zeit schon allein an einer richtigen Bewegung, die sich für Veränderung einsetzt, beziehungsweise die Bewegungen, die es gibt, führen zu keinem Ergebnis. In erster Linie stimmt das und es soll auch nicht abgestritten werden, dass es sehr wichtig ist sich den Problemen der SchülerInnenorganisation zu stellen, jedoch ist es auch wichtig ein konstruktives Ziel zu haben. Ansonsten besteht immer die Gefahr, dass man auf dem Weg zur Veränderung in die Situation kommt, nur noch als Gruppe aufzutreten, die weiß, was alles schief läuft, dem aber nichts entgegensetzten kann. Zudem, und das wiegt wohl noch schwerer, läuft man Gefahr zu versumpfen. Erst wenn Klarheit darüber herrscht, wo man mit seinen Forderungen hin will, kann man dieses Ziel auch konsequent verfolgen. An dieser Stelle nehme ich schonmal vorweg, dass ein wirklich alternatives Schulsystem sich nicht ohne weiteres in unserem heutigen Gesellschaftssystem umsetzten lässt. Somit wird der Kampf um bessere Schulen auch zum Kampf für eine andere Gesellschaft, in dem es wichtig ist nicht auf halber Strecke liegen zu bleiben.

Der erste Schritt
Dass die Idee einer anderen Schule nicht ganz neu ist dürfte klar sein. Schon viele TheoretikerInnen und PädagogInnen haben sich mit der Frage beschäftigt, wie man einen Unterricht erreicht, der zu aller erst den SchülerInnen zugute kommt. Dass wir von diesen Leuten noch ne ganze Menge mitnehmen können, soll in den folgenden Artikeln deutlich werden, indem auf die verschiedenen Konzepte eingegangen wird. Weil der Platz nur begrenzt ist, sei nur soviel schonmal festgehalten. Die Ideen zu einer alternativen Schule sollten folgendes erfüllen, wenn sie eine echte Alternative darstellen wollen:
1)Die Unterrichtsthemen müssen sich daran orientieren, was die SchülerInnen lernen wollen
2)Die LehrerInnen sollen nicht mehr von oben herab bestimmen
3)Die Zeit in der gelernt wird soll nicht begrenzt sein, sie soll beliebig kurz oder lang sein
4)Der Unterricht soll darauf ausgelegt sein wirkliche Zusammenarbeit zwischen den SchülerInnen zu unterstützen und keine Konkurrenz schüren.

Diese Ziele sind natürlich ziemlich schwer umzusetzten und reichen weit, doch genau darum soll es hier gehen. Ziele zu formulieren, die noch unerreichbar scheinen, aber mit wachsenden Selbstbewusstsein einer kämpferischen SchülerInnenbewegung immer näher kommen. Sicherlich wäre es naiv zu glauben, dass sich die aufgestellten Forderungen ohne weiters umsetzten lassen. So etwas will auch niemand behaupten. Es gilt den Blick nicht dafür zu verlieren, in welchen Umstände wir wie weit mit unseren Zielen gehen können.
Das der Versuch diese und weitere Ziele umzusetzten bereits gestartet wurde, wie gut sich das in der heutigen Gesellschaft überhaupt umsetzten lässt, in welcher Gesellschaft ein alternatives Schulsystem am besten umzusetzten ist und warum diese Ziele es überhaupt wert sind umgesetzt zu werden, erfahrt ihr dann in den folgenden Ausgaben des Schwarzen Kleeblatts.

Dieser Artikel ist in der fünften Ausgabe (Oktober/November 2011) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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