Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
Ach wie gut, dass niemand weiß…

Die wenigsten Minijobbenden wissen über ihre Rechte Bescheid und somit ist es ein leichtes, sie zu schlechten Arbeitsbedingungen anzustellen. Deshalb haben wir ein paar Beispiele von Rechten zusammengestellt, die Minijobbenden zwar zustehen, aber meistens vorenthalten werden. Mehr Infos findest du unter minijob.cc in der Rubrik “Rechtliches”.

Bezahlter Urlaub:

Wieviel Urlaub kann ich haben?
☆ Laut Gesetz stehen jedem/r ArbeiterIn 24 Urlaubstage im Jahr zu, wenn die Person sechs Tage die Woche arbeitet. Da die wenigsten MinijobberInnen jedoch sechs Tage arbeiten, wird pauschal von mindestens vier Wochen im Jahr ausgegangen. Dies bedeutet nicht, dass du für jeden Tag dieser vier Wochen Lohn bekommst, sondern nur für die Anzahl an Tagen und Stunden, die du durchschnittlich in einer Woche arbeitest. Um herauszufinden, wie viele Werktage du mindestens frei hast, kannst du in der Regel folgende Formel ausrechnen: Die Zahl deiner wöchentlichen Arbeitstage geteilt durch 6 mal 24.
Das klingt erstmal komisch, ist vom Gesetz aber so festgelegt. Solltest du unregelmäßig arbeiten, gesteht dir das Gesetz pauschal vier bezahlte, freie Wochen im Jahr zu. Je nachdem wo du arbeitest, kann es aber auch sein, dass dir mehr Urlaub zusteht. Lies dir also auf jeden Fall den Arbeitsvertrag deiner Arbeitsstelle durch. Sollten dort mehr Urlaubstage als vom Gesetz festgeschrieben sein, hast du auch ein Recht diese wahrzunehmen. Umgekehrt geht es aber natürlich nicht, die Arbeitsverträge dürfen das Gesetz bei der Anzahl der Urlaubstage nicht unterbieten.

Was steht mir zu?
Der Urlaub ist fester Bestandteil deines Arbeitsverhältnisses. Das heißt, dass du für alle Urlaubstage auch Lohn bekommen musst. Und zwar keinen beliebigen Lohn, sondern genau den Betrag, den du bekommen würdest, wenn du gearbeitet hättest. Solltest du keinen festen Lohn bekommen, zählt der durchschnittliche Lohn der letzten 13 Wochen. Anspruch auf Urlaub hast du von Beginn deines zweiten Arbeitsmonats an. Innerhalb deines ersten halben Jahres hast du aber nur den Urlaubsanspruch für die Monate, die du schon gearbeitet hast.

Wann und wie lange darf ich Urlaub nehmen?
Nach einem halben Jahr hast du Anrecht auf den vollen Jahresurlaub. Es ist außerdem dein Recht zu bestimmen, wie du dir deine Urlaubstage einrichtest. Sollte dein/e ChefIn versuchen dir zu sagen, wie viele Urlaubstage du am Stück nehmen sollst, hör nicht drauf. Ob du drei Tage oder zwei Wochen am Stück Urlaub haben willst, ist deine Sache und in die musst du dir nicht reinreden lassen. Anders sieht es aus, wenn dein/e ChefIn wichtige betriebliche Gründe nennen kann, die erklären weswegen du nur kurz in den Urlaub darfst. Generell gilt aber, dass wenn dir mehr als 12 Urlaubstage zustehen, auch 12 zusammenhängende Werktage als Urlaub gestattet werden müssen.

Und wenn ich dann weg bin…
Du darfst nicht unter irgendwelchen Vorwänden aus dem Urlaub zurückgeholt werden. Bist du einmal weg, kannst du auch da bleiben. Krankheitstage haben nichts mit deinem Urlaub zu tun. Das bedeutet, dass dir aufgrund von Krankheit kein Urlaubstag gestrichen werden darf und auch, dass du deinem/deiner ChefIn melden kannst, wenn du im Urlaub krank geworden bist. Solange du ein Attest vorlegst, kannst du den durch Krankheit verlorenen Urlaub ein andermal nachholen.

Krank sein und Lohn kassieren
Falls du mal krank wirst, keine Sorge. Es steht dir immer zu, für den Zeitraum in dem du fehlst entlohnt zu werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du nach den ersten drei Tagen Krankheit ein Attest vorlegst, auch wenn du in dieser Zeit beispielsweise nur zweimal hättest arbeiten müssen. Dein/e ChefIn kann ein Attest allerdings auch schon früher einfordern. Vom ersten Krankheitstag an muss dir sechs Wochen lang dein voller Lohn weitergezahlt werden, sofern du schon länger als vier Wochen in dem Betrieb arbeitest. Nach diesen sechs Wochen übernimmt bei Festangestellten die Krankenkasse, für MinijobberInnen gilt dies jedoch nicht. Bei Menschen, die unregelmäßig verdienen, gilt auch hier, dass man den Durchschnittslohn der letzten 13 Wochen erhält. Beachte, dass in einem halben Jahr nur sechs Wochen Krankheit entlohnt werden. Das Wichtigste ist immer, dass du dir ein Attest besorgst und sofort Bescheid sagst, wenn du nicht kommen willst. Sonst kann dir unterstellt werden, du seist grundlos ferngeblieben und somit kann man dich, innerhalb der festgelegten Frist, feuern. Krankengeld gibt es im Übrigen auch für Eltern, die nicht zur Arbeit können, weil ihre Kinder krank sind. In diesem Fall gilt, dass pro Kind zehn Tage im Jahr ausfallen dürfen, insgesamt jedoch nicht mehr als 25 Tage im Jahr. An diesen Tagen erhält man noch den vollen Lohnausgleich.

Das klingt ja alles ganz schön kompliziert
Arbeitsrecht ist keine einfache Sache. Die hier beschriebenen Rechte stellen nur einen Bruchteil von dem dar, was alles gilt. Letztlich kann euch nur ein Anwalt eine Beratung bieten, die die tatsächliche Rechtslage abdeckt. Dieser Artikel kann und soll also keine offizielle Rechtsberatung geben. Es ist aber immer nützlich, Grundlagen des Arbeitsrechtes zu kennen und hierbei sind wir auch gerne behilflich.

Dieser Artikel ist in der sechsten Ausgabe (Dezember/Januar 2011/2012) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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