Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
The Kids aren’t united!

Ein Beitrag über die globale Bedeutung von Kinderarbeit

Der 1. Mai ist in vielen Staaten rund um den Globus als „Maifeiertag“ ein wichtiger gesetzlicher Feiertag. Darüber hinaus ist auch die Bezeichnung „Kampftag der Arbeiterbewegung“ gängig und durchaus sinnvoll. Schließlich ist die Geschichte dieses Tages eng mit den sozialen Kämpfen von Arbeitern und Arbeiterinnen verbunden. Genau gesagt, wurde 1889 dieses Datum gewählt, um den getöteten Arbeitern des Haymarket Riot in Chicago 1886 zu gedenken. Woran beim Tag der Arbeit allerdings wenig gedacht wird, ist Kinderarbeit.

In diesem Artikel geht es jedoch nicht um die 15 jährigen Jungen und Mädchen, die aus eigenem Antrieb in den Ferien ein paar Zeitungen austragen oder vielleicht ab und zu bei der Arbeit im Garten helfen. Es geht um systematische Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, denn weltweit sind über 125 Millionen von ihnen in diversen Wirtschaftsbereichen beschäftigt, ohne dass sie über ihre Rechte informiert werden oder ihnen die Möglichkeit gegeben wird zur Schule zu gehen und sich somit selbst aus der Abhängigkeit zu befreien. Nach UN-Angaben sind sogar insgesamt ca. 320 Millionen Kinder auf wirtschaftlich aktiv. Die Zahlen belegen, dass Kinderarbeit Teil des globalen Wirtschaftssystems ist. In allen Gesellschaften lässt sich Kinderarbeit feststellen, die Frage ist nur warum Kinder arbeiten müssen.

So gibt es oben erwähnte Minderjährige, die freiwillig arbeiten, um teilweise wirtschaftliche Unabhängigkeit von ihren Eltern zu erreichen oder persönliche Bedürfnisse befriedigen zu können, aber auch solche, denen keine Wahl gelassen wird und die auch nicht gefragt werden. Meistens können sich, in den zuletzt genannten Fällen, die Eltern der Kinder kaum über der absoluten Armutsgrenze halten und sind daher auch auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen um überhaupt überleben zu können.

Kinderarbeit besitzt viele Facetten und alle Arten von Arbeit werden von Kindern ausgeübt. Manche ernten Früchte, Kaffee- oder Kakaobohnen, andere sitzen stundenlang in Fabriken und nähen billige Klamotten für KiK, H&M oder andere Unternehmen. Zuletzt wurde Ausbeutung von Kindern im Oktober 2011 auch bei der I-Phone Herstellung von Apple bekannt. Außerdem arbeiten viele Kinder im Tourismusbereich als Putzkraft oder in anderen Dienstleistungsbereichen.

Durch die globale Konkurrenz in allen Wirtschaftsbereichen und die damit verbundenen exzessiven Preissenkungen in der Produktion wird Kinderarbeit erst richtig lukrativ. Leider sind Kinder in diesem Prozess des ständigen Konkurrierens die wehrlosesten Menschen und das System Kinder in Vollzeitbeschäftigung zu zwingen, wird für die betroffenen zum Teufelskreis. Die Menschen, welchen durch Kinderarbeit Bildung vorenthalten wird, verfügen auch als Erwachsene nicht über die Möglichkeiten aus der Ausbeutung auszubrechen. Dazu kommt, dass Kinder bewusst engagiert werden, da diese kaum organisiert sind und daher im Kampf um gerechte Bezahlung und menschenwürdige Arbeitsverhältnisse machtlose ProtagonistInnen sind und automatisch den kürzeren ziehen würden.

Das ständige Wetteifern um immer billigere Arbeitskraft und natürliche Ressourcen ist ein so elementarer Bestandteil unserer derzeitigen Wirtschaftsordnung, dass ein Verbot der Kinderarbeit, wie es jährlich am 12. Juni zum „Welttag gegen Kinderarbeit“ gefordert wird mit größter Wahrscheinlichkeit nichts an den ausbeuterischen Verhältnissen ändern würde. Was in einigen Fällen noch durch Fair Trade oder ähnliche Kompromisse mit dem kapitalistischen System abgeschwächt werden kann, wird in anderen Bereichen weiter gnadenlos umgesetzt.

Denn, solange Menschen gezwungen sind ihre Arbeitskraft zu verkaufen und Betriebe auf dem Weltmarkt konkurrieren bzw. mithalten müssen, wird es Kinderarbeit und Missachtungen von Arbeitsrechten geben. Durch Kinderarbeit wird schließlich nur das System der Lohnabhängigkeit weiter gefestigt, das strukturell genau so vorgesehen ist und aus dem ein Ausweg schwerfällt.

Dieser Artikel ist in der achten Ausgabe (April/Mai 2012) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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