Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
Kinder, Natur, krankschreiben

Erfahrungsbericht: FÖJ bei der Stiftung Naturschutz Berlin

“Yeah! Endlich raus aus der Schule!” Dieser Gedanke nahm mich sehr lange ein und hielt mich lange davon ab, daran zu denken, was eventuell danach kommen sollte. Zu Lange: Die Bewerbungsfristen fürs FSJ waren schon abgelaufen, als ich auf die Idee kam, dass ich gerne im pädagogischen Bereich arbeiten möchte. Nach kurzer Suche stieß ich dann jedoch auf das FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr), welches glücklicherweise keine richtigen Bewerbungsfristen hat.

Die Bewerbungsrunde und -gespräche hinter mich gebracht, begann mein FÖJ in einem außerschulischem Lernort am Stadtrand von Berlin. Meine hauptsächliche Aufgabe war es, Kindern und Jugendlichen etwas zu Themen der Umweltbildung beizubringen.

Das machte mir auch viel Spaß: Ich konnte Erfahrungen in einem Bereich sammeln, der mich interessiert. Meine KollegInnen waren nett, meine Vorgesetzten okay und die Natur herrlich. Nach einiger Zeit jedoch merkte ich, dass mir alles ein bisschen zu viel wurde. Das tägliche frühe Aufstehen, und die (mit Fahrtweg) zehnstündigen Arbeitstage machten mir zu schaffen. Die ganze Woche freute ich mich aufs Feiern am Wochenende, merkte dann am Freitagabend doch, dass ich mich lieber ausruhen wollte. Dazu kam natürlich noch die miese Bezahlung von 355 Euro, von der man alleine sehr schwer leben kann. Als FreiwilligeR hat man zwar ein Recht auf Wohngeld, es kann aber gut und gerne ein halbes Jahr dauern bis der Antrag durch ist, wie es einige von meinen Mitfreiwilligen erleben mussten.

Da ich keine Lust mehr auf den ganzen Stress hatte, ging ich öfter mal zum Arzt und ließ mich krankschreiben. Das klappte bei mir sehr gut. Meine Chefinnen machten mir keine Vorwürfe und auch mein Träger, die Stiftung Naturschutz Berlin, machte keine Probleme, solange ich mich an ein paar Vorschriften hielt. Auf die sollte man wirklich achten: Ruft immer (!) am ersten Tag eures Ausfalls in der Einsatzstelle und bei eurem Träger an und teilt denen mit, wie lange ihr nicht kommt. Am besten schickt ihr die Atteste auch sofort zu eurem Träger. Mit Ausreden und ein bisschen Charme kam ich zwar auch durch, wenn ich mich mal nicht daran hielt, ich kenne jedoch mehrere FÖJlerInnen, die aufgrund von solchen Kleinigkeiten ihren Lohn nicht ausgezahlt oder eine Abmahnung bekommen haben.

Als sehr schön empfand ich in meinem FÖJ die Seminarfahrten, von denen man fünf macht. Ausgenommen von der ersten, konnten wir den Ort und die Seminarinhalte selber aussuchen. Wir beschäftigten uns auf den Seminaren u.a. mit dem Leben in Kommunen, dem Ausstieg aus der Gesellschaft, basisdemokratischer und gewaltfreier Kommunikation, (veganer) Ernährung und (alternativer) Landwirtschaft. Ob eure Seminarfahrten cool werden, hängt also von euch und eurer Gruppe ab.

Insgesamt hat mir das FÖJ viel gebracht: Ich konnte mich entscheiden, was ich studieren möchte, habe viele nette Leute kennengelernt, habe mich weitergebildet und konnte praktische Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sammeln. Nichtsdestotrotz darf man nicht vergessen, dass man im FÖJ für sehr wenig Geld viel arbeitet und auch Aufgaben übernimmt, für die normalerweise auch festangestellte MitarbeiterInnen bezahlt werden.

Dieser Artikel ist in der neunten Ausgabe (Juni/Juli/August 2012) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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