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Schwarzes Kleeblatt
Von der Schule an die Uni

Die Universität oder Fachhochschule ist – zumindest in Deutschland – wohl die konsequenteste Fortsetzung der Schule: In den meisten Fällen sind Hochschulen staatlicherseits organisiert. ProfessorInnen stehen vor den Studierenden und sagen ihnen, was gelernt werden soll. Am Ende des Semesters gibt’s dann eine Klausur, man muss ein Referat halten oder eine Hausarbeit schreiben. Überwiegend geht es um Theoretisches. Dinge lesen, statt sie zu erfahren. Hochschule ist eben auch nur Schule.

Ein paar Unterschiede gibt es aber schon. Hochschulen sind sehr viel stärker bürokratisiert. Viele Prüfungen werden nicht einfach geschrieben, sondern müssen angemeldet werden. Das kann mit ein paar Mausklicks erledigt sein, kann sich aber auch über viele Stunden und zig Gespräche mit diversen Verantwortlichen (beim Prüfungsamt, mit den Profs, den TutorInnen, den HiWis und wie sie alle heißen) hinziehen. Es ist auch nicht sicher, dass man alle Pflichtveranstaltungen auch besuchen kann. Oft sind Kurse überfüllt, oder es finden zwei wichtige Veranstaltungen gleichzeitig statt.

Es wird aber wie immer im Leben nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Gerade zu Beginn eines Studiums ist man von überfüllten Hörsälen, vom Verwaltungsaufwand und vom eigenen Gefangensein im Mahlwerk des Systems Hochschule oft erschlagen. Doch nicht alles, was von einem verlangt wird, muss man tatsächlich tun. Es lohnt sich oft, Dinge wie die Anwesenheitspflicht zu hinterfragen. Schließlich gehe ich an die Uni, um selbstbestimmt zu lernen und nicht, um eine Anwesenheitsliste zu unterschreiben, damit ich weiterhin und wie überall kontrolliert werden kann.

Trotzdessen ist der Hochschulbesuch nicht nur ein stures hintereinander Abarbeiten von Lehrveranstaltungen, was sowohl Vor- als auch Nachteile hat. Den Nachteilen wie der Unsicherheit, ob man an einer bestimmten Veranstaltung auch teilnehmen kann, steht der Vorteil gegenüber, dass man sich dafür aussuchen kann, ob und in welchem Umfang man überhaupt an der Uni sein und lernen möchte. Teilweise hat man auch die Wahl, welche Veranstaltungen man besuchen möchte. Man kann sich einteilen, ob man die ganze Woche an der eigenen Hochschule oder die Zeit mit politischem, sportlichem oder sonst irgendwelchem Aktivismus verbringen will. Oder arbeiten gehen. Oder Urlaub machen.

Oder um die Uni selbst mitzugestalten. Auf vielen Campus gibt es selbstverwaltete studentische Cafés, Fachschaftsräume oder andere Freiraumprojekte. Zudem haben Studierende auch die Möglichkeit, VertreterInnen in das sogenannten Studierendenparlament bzw. den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) zu wählen, die gegenüber der Hochschule und der Politik ihre Interessen verteidigen sollen. So setzen sie sich bspw. für mehr Master-Studienplätze oder die Verlängerung der Diplomstudiengänge ein, sind die studentische Vertretung gegenüber doofen Profs oder helfen beim einlagen in einen Studiengang, wenn man von der Uni nicht angenommen wurde. Außerdem gibt es ein uni-unabhängiges Beratungsangebot für Studis. Im Gegensatz zu KlassensprecherInnen haben diese Menschen sogar ein kleines bisschen Einfluss auf Dinge, die an der jeweiligen Hochschule ablaufen.

Insofern ist die eigene Hochschule für nicht wenige der Ort politischer Betätigung, von der studentischen Selbstverwaltung angefangen bis hin zum Hineintragen von allgemeinpolitischen Fragen wie Wohnungspolitik und Antifaarbeit in die Uni. So verstaubt das Klischee des alternativen linksintellektuellen Studenten sein mag, so sind doch viele Hochschulen bis heute ein Rückzugsraum linker Subkultur. Das kann der AStA sein, die Fachschaft, die Ini des Studiengangs oder einfach nur eine kleine Gruppe politsch interessierter Studis – linksalternativ bis -radikal geprägte Politik hat an vielen Unis einen festen Platz.

Denn natürlich kann man die Universität als Raum auch den Neoliberalen überlassen, die sie als Raum für die bestmögliche Elitenbildung und Hochschulausbildung als Mittel für bestmögliche Versorgung der Wirtschaft mit Fachidioten ansehen.

Man kann sie aber auch als Raum freier und kritischer Bildung für alle reklamieren. Uni ist, was man draus macht.

Dieser Artikel ist in der neunten Ausgabe (Juni/Juli/August 2012) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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