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Schwarzes Kleeblatt
Warum ███████ ist ██████ und ████erfordt████

Zensur kann verschiedene Gründe haben, überflüssig ist sie trotzdem immer

Musik ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Durch sie werden Emotionen, soziale Realitäten oder politische Probleme vom Künstler, der Künstlerin, einem Kollektiv oder einer Band angesprochen und auf eigene Weise kommentiert.

Damit ist Musik ein sehr persönliches Mittel, um auf die Gesellschaft und alle anderen äußeren Umstände zu reagieren und sich selbst mitzuteilen. Meistens läuft dieser Prozess innerhalb der gesellschaftlichen Normen ab und wird mehr oder weniger akzeptiert, ab und zu gefeiert oder bleibt im Untergrund und nur für Wenige zugänglich.
Bei musikalischen Äußerungen zu kontroversen Themen kann es auch schnell zur Zensur einzelner Lieder, ganzer Alben oder zur erzwungenen Absage von Konzerten kommen. Die Gründe des Zensierens können sehr verschieden sein, am häufigsten lässt sich Zensur als politisch oder religiös motiviert identifizieren. Wird gegen Normen verstoßen, werden Menschen schnell in ihrem Schaffen eingeschränkt. An die Stelle des Dialogs tritt dann das Verbot. Manche finden diese Vorgehensweise auch angemessen und richtig.

“Dummheit kann man nicht verbieten”
Handelt es sich beispielsweise um Bands die sich offen zum Nationalsozialismus bekennen, sind Verbote scheinbar die einzige Möglichkeit mit dem Problem umzugehen. Leider wird diese Politik von einzelnen betroffenen Bands zu Werbezwecken genutzt, da sich mit der Opferrolle ganz gut Aufmerksamkeit erregen lässt. Zudem hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass durch Verbote die Probleme nur verdrängt, aber trotzdem bestehen bleiben. Dritte Wahl hat diesbezüglich in einem ihrer Lieder festgestellt: Dummheit kann man nicht verbieten.
Außerdem lässt sich ein Verbot von Musik nie komplett durchsetzen. Mit Hilfe des Internets oder anderer Netzwerke lässt sich häufig sogar ein Zuwachs an Prominenz bei den zensierten Bands erzielen.

Sensibilisierung der Gesellschaft statt Zensur
Daher sollte sich die Gesellschaft eher dadurch auszeichnen, dass sie stets wachsam ist und bereit auf Probleme zuzugehen. So konnten bereits häufiger Konzertlocations blockiert werden, um so verschiedene und wegen ihrer Songtexte oder persönlichen Äußerungen umstrittene Musiker, wie die rechte Hooliganband Kategorie C oder den schwulenfeindlichen Reggaemusiker Sizzla an ihren Auftritten zu hindern. Ein wichtiger Schritt zur Intervention gegen diese Konzerte war das Öffentlich machen von Bandkontakten bzw. der Vergangenheit der Musiker.
In einigen Staaten außerhalb Europas wird Musik zensiert, um einer zunehmenden „Verwestlichung“ der Jugend entgegenzuwirken. Verschiedene gesellschaftliche Debatten, häufig geführt von religiösen Autoritäten oder konservativen Eliten, entlarven dort Musik als einen wesentlichen Grund für den angeblichen moralischen Verfall der jungen Generation. Viele Jugendliche verlangen jedoch nur, dass ihnen zugehört wird und sie in die Gesellschaft eingebunden werden. Musik ist dafür ein geeignetes Mittel und eignet sich auch gut um Leute für den Protest gegen gesellschaftliche Missstände zu mobilisieren.

Der freie Markt gibt kritischen Stimmen wenig Chancen
In den allermeisten Fällen sind es staatliche Institutionen, die die Freiheit der Musiker und Musikerinnen einschränken. Doch neben staatlicher Zensur gibt es auch noch viel tiefgreifendere Einflüsse auf unser Leben, die ähnliche Auswirkungen aufweisen: schon das System in dem wir leben, schränkt ein und zensiert. Große Monopole beherrschen das Fernsehen, die Presse und den Kunst- und Musikmarkt. Kleinere Verlage, noch unbekannte Label oder Bands haben nur geringe Chancen, sich einen Platz zu verschaffen. Wer zu kritisch die Gesellschaft kommentiert, hat kaum Chancen von seinem Werk zu leben.

In unserer konsumorientierten Gesellschaft ist auch Musik nur ein weiteres Konsumgut. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass in der Werbung, im Supermarkt und auf nahezu allen Sendern dieselben Songs gespielt werden. Auf diese Weise werden kontroverse Themen aus dem Alltag der Menschen rausgehalten und nichtssagende, sich ständig wiederholende Lieder liefern den Soundtrack zum Leben in der kapitalistischen Gesellschaft.
Trotzdem machen Menschen tagtäglich auf gesellschaftliche Ungerechtigkeiten aufmerksam, und werden auch nicht damit aufhören, bis wir in einer Welt leben, die nicht zensiert, sondern zuhört, hinsieht und sich mit bestehenden Problemen auseinandersetzt!

Dieser Artikel ist in der zehnten Ausgabe (September/Oktober 2012) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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