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Schwarzes Kleeblatt
„Operazione Thor“

Kurz notiert: Repressionswellen gegen AnarchistInnen in Italien

In einer Zeit, in der die Bevölkerung Italiens zunehmend von Sparzwängen, steigender Arbeitslosigkeit etc. bedroht ist, verschärft der italienische Staat auch die Repressionen gegen AnarchistInnen. Es folgt eine Übersicht der Operationen, die sich seit Mitte Juni gegen diese richten (Stand: 23.09.2012).

Den Anfang machte Juni 2012 die sogenannte “Operazione Ardire” (“Operation Kühnheit”), dirigiert von der Staatsanwältin Comodi und dem ehemaligen General der Ros (Antiterroreinheit der Carabinieri) Gianpaolo Ganzer, der selbst wegen Drogen- und Waffenhandel angeklagt ist.
Im Zuge der Operation wurden mehr als 40 Wohnungen in ganz Italien durchsucht, verwüstet und Computer und Papiere beschlagnahmt. Vorwurf ist die Mitgliedschaft in der FAI/FRI, sowie in den CCF und die Teilnahme an Aktionen seit 2009. Es folgten Ermittlungen gegen mehr als 20 Personen, zehn Menschen sind bis heute inhaftiert.

Anfang August folgte die “Operazione Mangiafuoco” (“Operation Feuerschlucker”), in dessen Rahmen 21 Hausdurchsuchungen in Italien und sogar in Berlin stattfanden. Die Betroffenen werden für mehrere Angriffe und Brandanschläge mit antikapitalistischen oder antispeziesistischen Hintergründen in den Jahren 2010 und 2011 verantwortlich gemacht. Während dieser Operation “beschlagnahmte” der italienische Staat rund 3200 Euro aus Solikassen – ein Diebstahl, der die finanzielle Soliarbeit unmöglich machen soll.

Die HandlangerInnen des Staates setzten Ende August ihre Arbeit mit der “Operazione Ixodidea” (“Operation Zecken” – lat.) fort: Gegen mehr als 40 AnarchistInnen wurde mit dem Vorwurf „terroristische Vereinigung“ ermittelt, zwei
Menschen wurden verhaftet.
Durch diese Operation greift der Staat viele Bereiche des Aktivismus an, vor allem aber den sogenannten NO-TAV-Protest, der sich gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn richtet, die von Italien nach Frankreich führen soll. Trotz anhaltender Repression lassen die Aktionen und die Entschlossenheit dieser AktivistInnen jedoch nicht nach.

Am 1. September folgten mehrere Wohnungsdurchsuchungen, und 13 AnarchistInnen wurden Sabotageaktionen mit Hämmern vorgeworfen – daher der Name der Operation: “Operazione Thor“. Zwei Wochen später, am 14. September, wurden zwei weitere Anarchisten festgenommen und beschuldigt, einen Angriff auf den Delegierten des multinationalen Konzerns “Ansaldo Nucleare” Adinolfi begangen zu haben.

Viele Menschen in Italien, anarchistisch oder nicht, rebellieren momentan gegen ein System, das sie in materielles und seelisches Elend zwingt, indem sie sich ihre Häuser zurücknehmen, die Natur vor Vergiftung und Verwüstung
schützen und die Verantwortlichen ihr Wut deutlich spüren lassen.

In solch einem schwelenden Konflikt zwischen Regierenden und Regierten und in einer Zeit, in der die Zukunft des Staates unklar ist, sieht sich dieser durch das Zusammenlaufen von solidarischem Handeln und Militanz bedroht.

Diese AnarchistInnen stehen dem Staat im Weg, weil sie die aktive Konstante in vielen Kämpfen (nicht nur in Italien) darstellen – und vor allem weil sie immer mehr werden.

Wir erklären uns solidarisch mit all denen, die sich dem offensiven Vorgehen des Staates in den Weg stellen!

Dieser Artikel ist in der elften Ausgabe (November/Dezember 2012) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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