Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
Von der Uni auf die Straße

In Spanien entwickelt sich eine neue Form des Bildungsprotests

Die spanische Regierung hat für 2013 weitere Einsparungen von 40 Milliarden Euro angekündigt. Besonders betroffen sind das Gesundheits- und Bildungswesen. Gegen diese Maßnahmen hat es Ende November wieder Proteste gegeben, wobei es neben der herkömmlichen Protestform der Demonstration auch zu einer relativ neuen Form des Aufmerksamkeit Erregens kam.

Am 28. November versammelten sich in ganz Madrid Studierende und Lehrende, um die weiteren Kürzungen im Bildungsbereich und den Verfall des öffentlichen Bildungssystems anzuprangern. Dazu verlagerten sie die Lehrveranstaltungen in die kalten Straßen Madrids. Ähnliche Aktionen hatte es im gesamten Jahr 2012 schon in anderen Regionen Spaniens gegeben, so schrieben bspw. im April Psychologiestudierende aus Salamanca, einer Provinz im Nordwesten Spaniens eine Prüfung auf der Straße, um gegen die Kürzungen zu protestieren.

#28N – Ein weiterer Aktionstag in Madrid
Dieses Mal war vor allem die größte Uni Spaniens, die Universidad Complutense beteiligt, die von massiven Kürzungen betroffen ist und deswegen unter anderem einige ihrer Fakultäten im nächsten Jahr nicht mehr öffnen kann. Rund 130 ProfessorInnen verschiedener Universitäten hielten Vorträge zu unterschiedlichen Themen auf öffentlichen Plätzen, aber auch in Cafés und Bibliotheken. Dabei ging es in einigen zwar um die Krise und auch um öffentliche Bildung, andere Lehrveranstaltungen beschäftigten sich jedoch auch mit Themen wie Malaria oder Astronomie und sogar Express-Sprachkurse wurden angeboten. Neben mehreren Tausend Studierenden wurden auch PassantInnen von dem breit gefächerten und kostenlosen Angebot angelockt, die Reaktionen waren überwiegend positiv. Viele sind der Meinung, dieser Aktionstag sei eine konstruktive Methode, um auf die Missstände des Bildungssystems und die massiven Kürzungen hinzuweisen.

„La complu“ und ihre Forderungen
Verantwortlich für diesen Aktionstag war die Initiative „La complu en calle“ (dt. „Die Complutense auf der Straße“). Denjenigen, die hinter der Kampagne stehen, geht es darum, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass gute öffentliche Universitäten, die alle Menschen, unabhängig von ihrer finanziellen Situation, besuchen können, unabdingbar sind für eine demokratische und fortschrittliche Gesellschaft. Weiterhin sind sie der Meinung, dass eine ganze Generation junger Menschen durch die wirtschaftliche Lage Spaniens bedroht ist und kritisieren, dass die Universitäten zunehmend im Dienste der Banken und Konzerne stehen. Sie fordern deswegen mehr Mitbestimmungsrechte und Reformen im universitären Bildungssystem, damit Hochschulen wirklich demokratisch und von sozialem Nutzen sein können. Eine weitere zentrale Forderung ist die nach besseren Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten, denn selbst die (noch) verhältnismäßig gut situierten ProfessorInnen sind mit Einsparungen konfrontiert und müssen bspw. selbst für Kopien und Druckertoner aufkommen, ganz zu schweigen von den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen etc.

Solidarische Kämpfe in ganz Spanien
Bei allen Sparmaßnahmen ist besonders das Bildungssystem bedroht, in den Schulen sollen die Klassen größer und die LehrerInnen weniger werden. Insgesamt sollen 2013 weitere 7 Milliarden Euro eingespart werden. Das und die schon jetzt herrschende Jugendarbeitslosigkeit von rund 50% nehmen jungen Menschen in Spanien jegliche Perspektive. Selbst gut ausgebildete junge AkademikerInnen wissen oft nicht, wie sie einen Job finden sollen. Gerade vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Kämpfe nicht auf einen Bereich zu beschränken, sondern die Kämpfe auszuweiten und sich weltweit solidarisch zu erklären mit anderen Protestierenden. So steht es auch im Manifest von „La complu“.

Zum Weiterlesen (auf spanisch): lacompluenlacalle.blogspot.com.es

Dieser Artikel ist in der zwölften Ausgabe (Januar/Februar 2013) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

Creative Commons Lizenzvertrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Über uns
Das Schwarze Kleeblatt ist ein anarchosyndikalistisches Magazin, das Themen und Meinungen von einem sozialrevolutionären Standpunkt aus betrachtet. Es erscheint alle zwei Monate und ist kostenlos als Onlineausgabe und im berliner Raum als Printversion verfügbar. Wir möchten hier nicht nur unsere jeweils aktuelle Ausgabe bzw. deren Artikel online veröffentlichen, sondern auch zur Diskussion stellen. Wenn du Interesse hast, als AutorIn für's Schwarze Kleeblatt aktiv zu werden, Anregungen bzw. Kritik hast oder unsere Zeitung zum Auslegen zugeschickt bekommen willst, dann schreib uns.