Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
Wir wollen selbst entscheiden

Partizipative Pädagogik am Beispiel des T.E.K.-Jugendladens

Die Till-Eulenspiegel Kette e.V. (T.E.K.) leistet seit den 70er Jahren Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe in Kreuzberg-Friedrichshain. Entstanden ist sie im Rahmen der sozialen Bewegung gegen die geplante Umstrukturierung des Kiezes und verfolgt einen selbstverwalteten, politisch engagierten Anspruch.

Die T.E.K. arbeitet im Kollektiv: Die betrieblichen Strukturen sind non-hierarchisch, es gibt keine Chefs – alle Festangestellten sind gleichberechtigt und Entscheidungen werden basisdemokratisch entschieden. Zum Träger gehören 4 Kinderläden sowie ein Jugendladen, der sich unmittelbar am Schlesischen Tor befindet. Der Jugendladen soll ein Ort der (interkulturellen) Begegnung sein, an dem Jugendliche ihre Freizeit aktiv und auf freiwilliger Basis gestalten können. U.a. werden dort ein Yoga-Kurs, VoKü oder das Gestalten von T-Shirts in der Siebdruckwerkstatt angeboten.

Tranzperent und gleichberechtigt
Die oben genannten hierarchiefreien, basisdemokratischen und partizipativen Ansätze finden sich auch im pädagogischen Konzept des Jugendzentrums wieder. Ein wichtiges Prinzip ist dabei die Teilnahme aller im Sinne der Selbstverwaltung. Dazu gehört, dass die SozialarbeiterInnen alle Abläufe transparent gestalten, und die Jugendlichen an allen Entscheidungen im Jugendzentrum beteiligt sind.
Entscheidungsorgan ist das wöchentliche Gruppenplenum, welches im Café, dem offenen Bereich des Jugendladens, stattfindet. Zu Beginn eines jeden Plenums wird eine/r der Jugendlichen als ProtokollantIn bestimmt. Danach werden Punkte gesammelt, über die diskutiert bzw. entschieden werden soll. Dazu zählen die Planung gemeinsamer Aktivitäten, Konflikte innerhalb der Gruppe, die Aufnahme von Neumitgliedern oder die Aktualisierung von Regeln. Bei Entscheidungen ist der Konsens, also die Zustimmung aller, angestrebt. Kann das nicht erreicht werden, wird abgestimmt. Alle anwesenden Mitglieder, ob JugendlicheR oder SozialarbeiterIn haben dabei eine Stimme. Jede Woche wird zudem besprochen, welche (unentgeltlichen) Dienste von den Jugendlichen übernommen werden. Dazu gehören Tresen-Schichten im offenen Café, Kochen und das Reinigen der Räumlichkeiten. Mitglieder ist es immer möglich, am Gesamtplenum des Vereins teilzunehmen, um z.B. Kritik an den SozialarbeiterInnen zu äußern.

In die Gruppe wachsen
Wer festes Mitglied der Gruppe werden möchte, muss sich zunächst in einer 6-Monatigen „Probezeit“ aktiv an der Gestaltung des Jugendladens beteiligen. Das heißt z.B. die genannten Dienste übernehmen, regelmäßig am Plenum teilnehmen und die gemeinsam erarbeiteten Regeln einhalten und weitervermitteln. Aktive Mitglieder haben dann die Möglichkeit beim Plenum, einen eigenen Schlüssel für das Jugendwohnzimmer zu beantragen. Das ist der geschlossene Bereich für Mitglieder, den die Jugendlichen auch selbstständig außerhalb der regulären Öffnungszeiten des Cafés nutzen können.
Bei Regelverstößen entscheiden nicht die SozialarbeiterInnen alleine über die daraus folgenden Konsequenzen, sondern ebenfalls die Gruppe bzw. das Plenum. Bei der direkten Konfrontation mit Gleichgestellten sollen Kritik und Anregungen eher reflektiert werden, als bei einer Bestrafung durch eine „Autorität von oben“.

Miteinander lernen
Das Konzept der Partizipation stärkt das Gruppengefühl und die soziale Integration. Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung für sich und andere. Das dadurch resultierende Erfahren von Anerkennung stärkt das eigene Selbstvertrauen, die Selbstwertschätzung. Im „Schutzraum“ Jugendzentrum werden soziale Kompetenzen wie Motivation, Kooperation, Kommunikations- und Kompromissfähigkeit, Konfliktlösungsstrategien, Empathie etc. mit einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive vermittelt. Das Ziel ist die Förderung eines friedlichen, menschlichen Miteinanders sowie die Aufhebung von Vorurteilen und Grenzen z.B. in Bezug auf Kultur oder Geschlecht.

Dieser Artikel ist in der zwölften Ausgabe (Januar/Februar 2013) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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