Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Syndikalismus an der Spree

Was bieten ASJ und FAU Berlin

Seit vier Jahren geht der Syndikalismus in Berlin seinen besonderen Gang. Nicht nur, weil sich 2009 die ASJ Berlin gegründet hat, sondern auch und gerade, weil in diesem Jahr die FAU durch den Arbeitskampf im Kino Babylon zum ersten mal ihr gewerkschaftliches Profil ausleben konnte. Schon damals profitierten beide Organisationen voneinander und aus der Zusammenarbeit von ASJ und FAU hat sich ein kleiner anarchosyndikalistischer Organismus gebildet, der sowohl gewerkschaftlich, als auch kulturell einiges zu bieten hat.

In der Lottumstraße 11 im Prenzlauer Berg, liegt das Gewerkschaftslokal der FAU. Seit dem Umzug in die neuen Räume 2010, gehen hier fast täglich Mitglieder und Interessierte beider Organisationen aus und ein, suchen Beratung, nehmen an Veranstaltungen Teil, oder sehen sich die Plena der verschiedenen Arbeitsgruppen und Sektionen an. Und davon gibt es einige. Derzeit gibt es elf Untergliederungen, in denen sich jede/jeder nach jeweiliger Arbeitsstelle oder nach interesse organisieren kann. Die Sektionen der FAU bieten dabei die Möglichkeit sich umfassend gewerkschaftlich zu organisieren. In ihnen sind verschiedene Berufsgruppen grob nach Wirtschaftszweigen zusammengefasst. Die aktivsten unter ihnen sind die Sektion Bau und Technik (BauTec), die Foreign Members Section und die Bildungssektion. Die BauTec brachte erst vor kurzem eine lesenswerte Broschüre zum Thema Arbeitsschutz heraus und befindet sich derzeit zusammen mit spanischen KollegInnen in einem Konflikt um vorbehaltenen Arbeitslohn. Wer diesen Arbeitskampf unterstützen will, der findet im Internet eine Online-Petition, mit der erster Druck auf die verantwortliche Firma ausgeübt werden soll. Zudem war es die Sektion Bau und Technik, die letztes Jahr in Zusammenarbeit mit der ASJ, Veranstaltungen zum Workers Memorial Day plante. Dieser wird weltweit am 28. April begangen um Menschen zu gedenken, die durch Arbeitsunfälle gestorben sind. Die Foreign Members Section ist in diesem Sinne keine Organisation nach Branche, sondern wendet sich an alle, die die deutsche Sprache nicht, oder noch nicht ausreichend sprechen. Sie zudem gab eine Broschüre über grundlegende Arbeitsrechte in Deutschland raus, die in acht Sprachen übersetzt wurde, und durch die sich gleich mehrere Arbeitskämpfe, meist um vorenthaltenden Lohn, ergaben. Die Sektionen Bildung, Medien und Kultur, befinden sich ebenfalls in Konflikten, bzw. kümmern sich um den Aufbau verschiedener Betriebsgruppen. Dass sich die Sektion Medien bereits jetzt um den Urheberstreit eines Mitglieds kümmert, ist beachtlich, da sie sich erst am 26. Januar offiziell gegründet hat. All diese Sektionen kommen immer am zweiten Mittwoch im Monat zur Vollversammlung zusammen, um ihre Arbeit zu koordinieren und Entscheidungen zu treffen, welche die gesamte FAU in Berlin, oder überregional betreffen.

Innerhalb der ASJ herrscht eine ähnliche Arbeitsweise. Grundlegend passiert die inhaltliche Arbeit in den Arbeitsgruppen (AGs), die relativ einfach gegründet und nach den eigenen Wünschen gestaltet werden können. Zu nennen sind hier die „Jung und Billig“-Kampagne, die Veranstaltungs AG, die Bildungs AG, die kritische Kampagne zur Bundestagswahl 2013 und die Arbeitsgruppe Schwarzes Kleeblatt. „Jung und Billig“ ist eine Kampagne zur Aufklärung und Organisation von Minijobbenden, die seit 2011 aktiv ist. Kern der Kampagne ist die Internetseite Minijob.cc, auf der rechtliche Tipps gegeben, Neuigkeiten gestreut und Arbeitskritische Inhalte verbreitet werden. Über die Seite kamen in der Vergangenheit auch einige konkrete Anfragen z.B. zu Arbeitsverträgen. Die Veranstaltungs AG übernimmt für die ASJ die Planung von allen möglichen politischen Veranstaltungen. Von unserem monatlichen Tresen, über Vorträge im FAU Lokal, Filmvorführungen und Solipartys. Ihr Ziel ist es Freizeitgestaltung und Politik zu verbinden und so wurden schon die verschiedensten Themen behandelt: Die Papierlosenbewegung in Frankreich, Anarchismus in Japan, die Rodung des Hambacher Forstes etc. und Technopartys wurden genauso geschmissen wie Punkrockkonzerte. Zudem gibt es noch die Bildungs AG, vorrangig für SchülerInnen, die nach einer längeren Pause nun dabei ist, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Kampagne zur Bundestagswahl 2013 wird sich kritisch mit dem VertreterInnensystem des Parlamentarismus auseinandersetzten und die AG Schwarzes Kleeblatt bringt alle zwei Monate das gleichnamige anarchosyndikalistische Magazin raus, das kostenlos ausliegt und inzwischen auch in andere Städte versendet wird. Die Vollversammlung der ASJ findet jeden zweiten Dienstag statt und wie schon bei der FAU geht es hier vor allem um die koordination der AG Arbeit und um Fragen, die die gesamte Organisation betreffen. Die Liste an Veranstaltungen ist lang, doch sie wird noch länger. Neben genannten Aktivitäten, gibt es noch eine Reihe jährlicher und temporärer Arbeitsfelder, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Schon genannt wurde der Workers Memorial Day. Dazu kommt aber noch der jährliche schwarz-rote Block auf der Gewerkschaftsdemo am 1.Mai, die Arbeit an der „Niemand ist Vergessen“-Kampagne zusammen mit der North-East-Antifa (NEA) und die Vorbereitung der antikapitalistischen Walpurgisnacht Demo am 30. April, die Teilnahme an Festivals (insbesondere des Open Air for Open Minds von der Vosifa), Arbeits- Miet- und Sozialrechtsberatung von der FAU, der Solitresen der FAU und wer weiß was noch. Der Syndikalismus in Berlin ist ein vielseitiges Gebilde und den Überblick zu behalten ist nicht einfach. Doch falls ihr auf den Geschmack gekommen seit, informiert euch doch genauer im Internet, oder werft einen Blick in den unten liegenden Kasten.

Eine Übersicht über die Sektionen der FAU Berlin findest du auf berlin.fau.org/strukturen

Alles Wichtige zu den AG’s der ASJ Berlin gibt’s auf asjberlin.blogsport.de/ags

Dieser Artikel ist in der dreizehnten Ausgabe (März/April 2013) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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