Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Schwarzes Kleeblatt
Die Lebensmittel der Zukunft

Wie sich ein einziger Konzern die globale Landwirtschaft Untertan macht

Die Globalisierung bringt vieles mit sich. In westlichen Industrieländern bedeutet sie ständig volle Supermarktregale, welche mit exotischen und vor allem billigen Lebensmitteln gefüllt sind und günstige Flugzeugreisen ans andere Ende der Welt. In vielen anderen Ländern führt sie jedoch zu neuen Abhängigkeiten und Armut. Diese neue Weltvernetzung machen sich viele multinationale Konzerne zu Nutzen, ohne auf soziale oder ökologische Probleme Rücksicht zu nehmen. Einer der größten Gewinner dieser neoliberalen Weltordnung ist der US-amerikanische Agrarkonzern Monsanto.

Die Anfänge als Chemiekonzern

1901 wurde Monsanto als Chemiekonzern gegründet und produzierte jahrzehntelang PCB, eine heute als hoch giftig bekannte Chemikalie, die für Transformatoren und elektrische Kondensatoren benutzt wurde. Obwohl dem Konzern das Gefahrenpotenzial der Chemikalie bekannt war, produzierte Monsanto jahrzehntelang in der US-amerikanischen Stadt Anniston in Alabama, in der die Krebs- und Hepatitis-Rate daraufhin extrem anstieg. Monsanto informierte die zuständigen Behörden nur teilweise. Diese wiederum verschwiegen die Giftigkeit von PCB gegenüber der Bevölkerung komplett. Sogar nach einer Sammelklage der Bewohner_innen von Anniston, bei der Monsanto schuldig gesprochen wurde und zu Schadensersatzzahlungen verurteilt wurde, blieben die Behörden auf Seiten des Konzerns. Die Verantwortlichen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen.

Im Vietnamkrieg zwischen 1965 und 1970 war Monsanto ein wichtiger Lieferant für Herbizide, welche zum Entlauben der Wälder benutzt wurden. Allerdings war das bekannte Gift „Agent Orange“ mit Dioxinen verseucht. Ein Großteil der Menschen, die in den ehemaligen Einsatzgebieten leben, sowie ehemalige US-Soldaten, leiden bis heute an irreversiblen Schäden und Krankheiten. Im März 2005 wurde eine Klage vietnamesischer Opfer abgewiesen, da nach Ansicht des Richters der Einsatz von „Agent Orange“ keine chemische Kriegsführung war. Monsanto kam wieder ungeschoren davon.

Der Weg zum Agrarriesen

In den folgenden Jahren konzentrierte sich Monsanto mehr und mehr auf Biotechnologie für die Agrarwirtschaft. 1982 gelang es Monsanto-Forscher_innen erstmalig, eine genveränderte Pflanze zu schaffen. Mit diesem Durchbruch schuf Monsanto einen neuen Geschäftszweig. Schon 8 Jahre später brachte das Unternehmen erste Biotechnologien für die Agrarindustrie auf den Markt. Die genveränderten Pflanzen wurden jedoch nie richtig auf ihre Gesundheitsschädlichkeit überprüft, da Monsanto behauptete, das Einsetzen eines neuen Gens verändere die Pflanze im Grunde nicht. Sie entspreche immer noch einer konventionellen Pflanze.
Die zuständigen US-amerikanischen Behörden überprüften diese Behauptung nicht und stuften alle Monsanto-Produkte auf diesem Grundsatz als vollkommen ungefährlich ein. Wissenschaftler_innen und Politiker_innen, die eine genauere Überprüfung forderten, wurden als fortschritts- und innovationsfeindlich abgetan und in vielen Fällen entlassen.

Das Agrarkonzept von Monsanto basiert auf einer Kombination aus einer genveränderten Pflanze und dem dazugehörigen Herbizid oder Insektizid. 70 Prozent des genveränderten Saatguts sind resistent gegen das starke Herbizid Roundup, welches jegliches Unkraut tötet. Die restlichen 30 Prozent sind gegen ein Insektizid resistent, welches alle Arten von Schädlingen tötet.

Die Gier kennt keine Grenzen

In den letzten Jahren hat sich Monsanto auf vielen Wegen eine Vormachtstellung auf dem Weltmarkt erkämpft. Auf 8 Prozent der weltweiten Ackerfläche wächst heutzutage genverändertes Saatgut. 90 Prozent davon ist patentiertes Saatgut von Monsanto.

Von 1995 bis 2005 kaufte das Unternehmen weltweit knapp 50 Saatgutfirmen auf und sicherte sich über 700 Patente auf Saatgut, Herbizide und Biochemikalien. Dadurch geraten Bauern/Bäuerinnen weltweit in ein existenzbedrohendes Abhängigkeitsverhältnis. Vielerorts existieren keine Alternativen mehr zu genverändertem Saatgut von Monsanto. Ein Beispiel dafür ist Indien. Dort sind Kleinbauern/-bäuerinnen oft gezwungen, die genveränderte BT-Baumwollsaat von Monsanto zu kaufen. Diese ist jedoch viermal so teuer wie konventionelles Saatgut, weshalb viele Bauern/Bäuerinnen Kredite aufnehmen müssen. Die Zinsen für die Kredite sind meist so hoch, dass die Bauern/Bäuerinnen sich bei nur einer schlechten Ernte dauerhaft verschulden. Für viele Kleinbauern/-bäuerinnen gibt es keinen Ausweg aus diesem Teufelskreis. Ihre Verzweiflung endet immer häufiger im Selbstmord.

Wenn sich Bauern/Bäuerinnen dazu entscheiden, Saatgut von Monsanto zu kaufen, ist es ihnen vertraglich verboten, Saatgut aus der Ernte erneut auszusähen. Stattdessen sind sie gezwungen, für jede Ernte das Saatgut neu zu erwerben. Dies wird von einer vom Konzern geschaffenen „Genpolizei“ kontrolliert. Bisher kam es allein in den USA zu über 150 Verurteilungen von Bauern/Bäuerinnen, die das angeblich missachteten.
Trotz der Abhängigkeit, in die sie Monsanto zwingt, ist das Saatgut bei vielen Bauern/Bäuerinnen, vor allem in den USA, sehr begehrt. Durch das Herbizid Roundup werden Arbeiten wie Unkrautjäten überflüssig.
Besonders attraktiv ist das Rundum-Paket von Monsanto vor allem für Großgrundbesitzer, welche auf riesigen Flächen Monokulturen züchten können. Häufig wird das Roundup gerade auf diesen riesigen Farmen per Flugzeug gesprüht. Das Herbizid wird allerdings auch in die umliegenden Dörfer und angrenzenden Felder getragen und vernichtet die Ernten von konventionellen Bauern/Bäuerinnen. Doch noch viel schlimmere Schäden sind bei der Bevölkerung, welche in unmittelbarer Nähe zu den Genfeldern lebt, festzustellen. Die Missbildungsrate bei Neugeborenen ist in vielen Fällen stark gestiegen, zudem treten vermehrt chronische Krankheiten wie Asthma auf und Krebserkrankungen nehmen drastisch zu. Doch all dies sind umstrittene Fakten, da die Krankheiten oft erst Jahrzehnte später auftreten.

Von Korruption bis hin zu offenem Betrug

Doch nicht nur die Auswirkungen des Herbizids Roundup sind stark umstritten. Auch die langfristige Wirkung von genveränderten Lebensmitteln ist bislang unbekannt. Viele Studien zu dem Thema, die negative Schlagzeilen mit sich bringen könnten, werden unterbunden. Zum Beispiel wurde ein Forschungsteam in Großbritannien entlassen, nachdem es zu dem Schluss gekommen war, dass genveränderte Lebensmittel den Organismus schwächen und krankheitsanfälliger machen können. Durch die Auflösung und Entlassung der Gruppe wurde ebenfalls dem Studienergebnis die Aussageraft genommen. Diese und andere Fälle legen Vermutungen nahe, dass Monsanto eng mit politischen Führungskreisen verknüpft ist. Häufig wechseln Monsanto-Mitarbeiter_innen in die zuständigen Behörden und zurück. Gleichzeitig veröffentlicht Monsanto Studien, die die Schädlichkeit von genveränderten Lebensmitteln leugnen. Diesen Studien werden jedoch Mangel an wissenschaftlichen Daten, beabsichtigte Fehler und Fälschungen von unabhängigen Wissenschaftler_nnen vorgeworfen.

Zudem ist der Konzern in mehrere Korruptionsskandale verwickelt. Zwischen 1997 und 2002 flossen 700 000 Dollar an indonesische Behördenmitarbeiter_innen. Allein 50 000 Dollar wurden an einen hochrangigen indonesischen Staatsdiener_innen gezahlt, damit eine Umweltstudie über Monsanto-Baumwolle nicht ans Licht kommt. Doch damit ist die Liste der skrupellosen Machenschaften Monsantos noch lange nicht zu Ende.

Unabsehbare Folgen

In Mexiko, beispielsweise, ist der Anbau von genverändertem Mais verboten, um die einheimischen Sorten zu schützen. Trotzdem sind immer häufiger mutierte Maispflanzen zu finden. Diese Mutationen sind auf Kreuzungen des traditionellen mit dem genveränderten Mais zurückzuführen. Über den Wind verbreiten sich die Maispollen von den Genfeldern auch auf die traditionellen Felder, wodurch die konventionellen Pflanzen kontaminiert werden.
Es ist nicht möglich, solche transgenen Verunreinigungen zu verhindern. Auf diesem Weg gefährdet das genveränderte Saatgut alle natürlichen Anbaumethoden. Monsanto ist auf dem besten Weg, die gesamte globale Landwirtschaft und somit alles, was auf unseren Tellern landet, zu kontrollieren.

Dieser Artikel ist in der 16. Ausgabe (Januar/Februar/März 2014) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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