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Schwarzes Kleeblatt
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Zur globalen Vernetzung von Protesten gegen Adidas

Was als kleines Familienunternehmen für Turnschuhe begann, ist mittlerweile weit mehr als das. Neben seiner Funktion als offizieller Sponsor diverser SportmeisterInnenschaften und beispielsweise des DFB, verkörpert Adidas heute einen jungen und sportlichen Lifestyle, bei dem für jede/n was dabei ist. Aber nicht nur bei SportlerInnen, sondern auch in der sogenannten Linken Szene erfreut sich die Marke großer Beliebtheit und die Schuhe Samba und Spezial sind mittlerweile neben der schwarzen Kapuzenjacke fester Bestandteil des Demo-Outfits des Schwarzen Blocks.
Dass das Unternehmen, wie die meisten anderen, Rechte von ArbeiterInnen mit Füßen tritt und die Produktionsbedingungen alles andere als „fair“ sind, dürfte dabei den meisten bekannt sein oder wenigstens nicht überraschen.
Das Beispiel Adidas zeigt jedoch, wie sich Kämpfe von ArbeiterInnen selbst mit Aktionen junger AktivistInnen im Globalen Norden verknüpfen lassen. Zeitgleiche Proteste haben sowohl von Seiten der Produzierenden als auch der potenziellen KonsumentInnen Druck auf das Unternehmen aufbauen können. Diese gemeinsame Vorgehensweise zeigt exemplarisch, wie globale Vernetzung von Protesten fernab der Idee „ethischen Konsums“ aussehen kann.

Der deutsche Mode- und Sportartikelhersteller Adidas wurde 1924, damals noch unter anderem Namen, von Adolf „Adi“ Dassler gegründet. Dassler war Parteimitglied der NSDAP und während des Nationalsozialismus produzierte das Unternehmen neben Sportartikeln auch Waffen – Details, die auf der Internetpräsenz des Unternehmens gezielt ausgespart werden. Heute ist Adidas eines der größten und wichtigsten Unternehmen weltweit und beschäftigt über eine Millionen ArbeiterInnen bei Zulieferunternehmen in 63 verschiedenen Ländern.

Die Unternehmenspolitik von Adidas gegenüber diesen ArbeiterInnen gilt als besonders brutal und rücksichtslos. Wie die meisten großen Mode- und Sportmarken beschäftigt auch Adidas Zulieferunternehmen, bei denen die TextilarbeiterInnen angestellt sind. Dadurch ist Adidas selbst nicht direkt verantwortlich für die Arbeitsbedingungen und kann Aufträge zurückziehen, sobald Druck von Seiten der ArbeiterInnen entsteht, diese zu verbessern. Das ist in der Vergangenheit oft passiert und hindert Beschäftigte häufig daran, zu protestieren und zu streiken.
Um den Arbeitsrechtsverletzungen entgegenzuwirken, wird von ArbeiterInnen und AktivistInnen, ein sogenannter „Jobber contract“ gefordert. Damit sollen Firmen wie Adidas, Nike, H&M etc. für ihre ArbeiterInnen verantworlich gemacht werden. Arbeitsverträge werden nicht mehr mit den Zulieferern, sondern mit den Unternehmen direkt abgeschlossen. Rechtlich würde dabei eine Grundlage entstehen, Arbeitsrechte einzufordern und Menschenrechtsverletzungen anzuklagen.
Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren TextilarbeiterInnen mit der Forderung nach „Jobber contracts“ erfolgreich und konnten so die damals noch in den USA angesiedelten „sweatshops“ abschaffen.

Trotz der Gefahr, aufgrund gewerkschaftlicher Organisation entlassen zu werden oder für ein Unternehmens zu arbeiten, das keine Aufträge mehr von Adidas erhält, haben sich weltweit Adidas-ArbeiterInnen organisiert, unter anderem in der transnationalen Union League for Brand Responsibility, die im Oktober dieses Jahres Proteste in verschiedenen Ländern organisierte, in denen Adidas produziert.
So protestierten im indonesischen Jakarta ArbeiterInnen gegen die Entlassung von 1.300 Gewerkschaftsmitgliedern, die in Streik getreten waren, als sich das Adidas-Zuliefererunternehmen geweigert hatte, den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen. Einen Tag später prangerten Beschäftigte im Rahmen des „Tages für bessere Arbeit“ in Buenos Aires in Argentinien die gefährlichen Arbeitsbedingungen bei der Lederverarbeitung an.
Was die Gewerkschaftsmitglieder und ArbeiterInnen fordern, ist jedoch nicht nur eine Symptombekämpfung in Einzelfällen, sondern ein flächendeckender Lösungsvorschlag, der Adidas und andere Großunternehmen für die Arbeitsrechtsverletzungen in den lokalen Betrieben verantwortlich macht.

Zeitgleich mit den Protesten im Globalen Süden, fanden auch Proteste von Studierenden in Großbritannien und in den USA statt. Die United Students Against Sweatshops (USAS) ist mit über 250 Gruppen in den USA und Kanada eine der größten politischen Gruppen im Globalen Norden, die sich gegen Ausbeutung von ArbeiterInnen in der Textilindustrie und an Universitäten einsetzt. Als solche hat sie bereits erhebliche Erfolge erzielt. Sie steht in engem Kontakt mit ArbeiterInnenorganisationen, wie etwa der oben genannten Union League for Brand Responsibility.

Bereits im Februar hatte die USAS mit ihrer Boykott-Kampagne „Badidas“ für Aufmerksamkeit gesorgt und den Druck auf Adidas erhöht. Damals stürmten USAS-AktivistInnen, gekleidet in T-Shirts mit der Aufschrift „adidas – all in sweatshops“ (einem Wortspiel mit „all in“, dem Namen einer derzeitigen Werbekampagne des Unternehmens) den Adidas-Laufsteg der New York Fashion Show. Dort verteilten sie Flyer an die Promi-Riegen der ersten Reihen, darunter Popstar Selena Gomez, die „brand ambassador“ für Adidas ist, mit wichtigen Informationen zum Umgang des Unternehmens mit seinen ArbeiterInnen sowie der Aufforderung: „Selena, be an ambassador to children, not to sweatshops“, bevor sie durch das Sicherheitspersonal entfernt wurden. Die Aufforderung bezog sich darauf, dass Adidas 2.800 indonesischen ArbeiterInnen des Zulieferers PT Kizone insgesamt 1,8 Millionen US-Dollar schuldete; Abfindungen, ohne die diese ihre Kinder nicht zur Schule schicken konnten.

Außerdem veranlasste USAS durch diverse Aktionen an nordamerikanischen Hochschulen 17 Universitäten, ihre bestehenden Lizenzverträge mit Adidas zu kündigen, wodurch der Druck auf das Unternehmen weiter stieg. Am 1. Mai diesen Jahres konnten indonesische Adidas-ArbeiterInnen und ihre UnterstützerInnen einen wegweisenden Erfolg verbuchen, als Adidas sich endlich verpflichtete, die ausstehenden Abfindungen zu bezahlen. Ähnliche Erfolge konnten ArbeiterInnen in Honduras im Jahr 2010 verzeichnen, als Nike, auf diverse Aktionen von USAS und lokalen Gewerkschaften hin, mehrere Millionen Dollar Abfindungen zahlte.

Solche Beispiele zeigen, dass durch Proteste, die mit konkreten Forderungen der Betroffenen direkt verknüpft sind, auch im Globalen Norden Druck auf Unternehmen aufgebaut werden kann.
Die Verantwortlichkeit der Unternehmen für die Arbeitsbedingungen in Zulieferfabriken, beispielsweise durch „Jobber Contracts“, ist dabei ein notwendiger Schritt, um Verbesserungen bezüglich der Arbeitsbedingungen und Löhne durchzusetzen.
Gerade vor dem Hintergrund der Fabrikbrände in Indien und anderen Ländern im letzten Jahr, wird deutlich, wie wichtig es ist, diese Unternehmen direkt zur Rechenschaft zu ziehen.

Dieser Artikel ist in der 16. Ausgabe (Januar/Februar/März 2014) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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