Schwarzes Kleeblatt Das kostenlose Magazin der Anarchosyndikalistischen Jugend Berlin

Was wäre das Leben ohne Arbeit?

Bevor sie uns Jugendliche anfängt zu beschäftigen, geht sie den meisten schon auf den Senkel. Kaum etwas anderes greift mehr in unsere Lebensplanung ein und ist von so essenzieller Bedeutung für unseren weiteren Lebensverlauf. Gerade die im Kapitalismus übliche Lohnarbeit verwehrt uns in den meisten Fällen eine Erfüllung unserer eigentlichen menschlichen Bedürfnisse – und doch müssen wir sie paradoxerweise ausüben, um der absoluten Verarmung vorzubeugen.

Wie sich unser heutiges Arbeitsverständnis herausgebildet hat, wie eng es an die Marktwirtschaft und somit verschiedene gesellschaftliche Rollen geknüpft ist, erläutert der Artikel „You better work bitch!“. Nebenbei offenbart er auch, wie Höchstleistung in unserer Gesellschaft immer mehr zu dem Ideal schlechthin stilisiert wird.
Ein Artikel über Transhumanismus hakt genau dort ein. Ihr findet hier ein differenziertes Bild, wie eine hauptsächlich elitäre Ideologie mittels diverser künstlicher Eingriffe versucht, einen neuen, auf allen Ebenen leistungsfähigeren Menschen zu kreieren. Sind wir nicht mehr weit entfernt von Huxleys „schöner neuen Welt“?

Dabei liegt doch der Müßiggang in der Natur des Menschen und ist wichtig, um innerlich nicht zu verrohen und empfänglich für äußere Reize zu bleiben. Dass totale Beschäftigungslosigkeit aber ebenso wenig glücklich macht wie andauernde Belastung, sowie andere grundlegende Missverständnisse bezüglich „Faulheit“ und „Fleiß“, greift der Artikel „Von Säcken und Bienchen“ auf.
Und nicht nur Freizeit ist wichtig für den Erhalt eines gewissen Lebensstandards. Um unsere Arbeitskraft oder überhaupt unser Überleben zu sichern, muss schließlich ein Haushalt geführt, Nachkömmlinge „anständig“ erzogen werden – und im Alter oder Krankheitsfall ausreichend Fürsorge vorhanden sein. Doch trotz ihrer immensen Wichtigkeit erhalten diese sogenannten Reproduktionsarbeiten gesellschaftlich vergleichsweise wenig Anerkennung und sind meist unbezahlt. Der Artikel „Care? Work!“ klärt detailliert auf, wie es dazu kommt und was genau hinter dem Begriff der Reproduktionsarbeit steckt.

Natürlich darf in einer Ausgabe zum Schwerpunkt Arbeit dann auch ein Statement zu Gewerkschaften nicht fehlen. Als syndikalistische Jungendorganisation werden wir nie müde zu betonen welches Potential in dieser Institution schlummert, wenn wir für eine solidarische Gesellschaftskultur kämpfen wollen. Doch leider wird der von Rudolf Rocker geprägte Begriff der „Kultur- und Kampforganisation“ häufig irrtümlich aufgefasst. „Sozialismus als Kulturfrage“ appelliert daher, den Kulturbegriff nicht auf die gewohnte Berieselung durch Filmvorführung oder Buchrezitationen zu beschränken, sondern ihm seine eigentliche bedeutsame Gewichtung zurück zu verleihen – sodass er seiner Vermittlungsfunktion gerecht wird.
Vielleicht liegt eine ausbleibende Kampfbereitschaft unserer Mitmenschen aber auch zusätzlich darin begründet, dass viele sich gar nicht mehr als Teil eines sozioökonomischen Subjekts wahrnehmen. Was der Begriff der Klasse dabei für eine Rolle spielt, welche Notwendigkeit er besitzt und warum er alles andere als gestrig ist, behandelt der Artikel „Mit Klasse“.

Und nach all den ganzen – überwiegend theoretischen – Abhandlungen, lassen wir die Ausgabe mit einem praktischen Bericht über die globale LandarbeiterInnen-Vernetzung „La Campesina“ ausklingen. Wir führen vor Augen, welche fortschrittlichen Ideen Bauern und Bäuerinnen entwickeln, dass ihr pragmatisches Handeln keineswegs ihren Idealen widerspricht und was das neue – mancherorts schon heute sehr bedeutsame – ökonomische Konzept der „Ernährungssouveränität“ beinhaltet.

Bei dieser Fülle an Artikeln wird klar, wie vielschichtig und bedeutsam das Thema Arbeit ist. Eigentlich hätten wir noch mehr Facetten dieser eigentümlichen Welt beleuchten müssen – doch auch wir selbst haben nur begrenzt Arbeitskapazitäten. Deshalb wünschen wir euch nun erstmal viel Spaß beim Lesen!

Dieser Artikel ist als Editorial in der 17. Ausgabe (Juni 2014) des Schwarzen Kleeblatts erschienen. Eine Übersicht über alle Ausgaben, Artikel und den Downloadbereich findest du hier.

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